Schnitzelsemmel oder Hot Dog?

Was ist in unserer Kultur schiefgegangen, wenn eine Oma im Bad zum 2-jährigen Enkerl sagt: „Magst du eine Schnitzelsemmel oder einen Hot Dog?“ Das Kind, sichtlich irritiert, weiß nicht, wie ihm geschieht ob des Grauens dieser auswegslosen Wahl, die keine echte Entscheidung zulässt. Im körperlichen Ausdruck des Kindes manifestiert sich, dass hier etwas fundamental falsch läuft. Gibt es ein richtiges Leben im falschen, fragte Adorno; gibt es eine gute Wahl im Grauen, fragt sich (unbewusst) das Kind.

Aufgrund der Zögerlichkeit des Kindes beginnt die Oma zu insistieren. Die Stimme wird lauter, ungeduldiger – sie scheint das Dilemma ob der eigenen Lust auf das rufende Fett nicht zu verstehen. „Entscheide dich jetzt! Schnitzelsemmel oder Hot Dog!“ Und als ob ihr doch unterbewusst irgendwie dämmert, dass sich in dem unschlagbaren Angebot vielleicht ein faules Ei versteckt, versucht sie, durch eine weitere faustische Verführung die Erleichterung herbeizuführen: „Danach gibt es ein GUTES Eis!“

Dieses Mal ist sie klüger. Sie schiebt dem Angebot das moralische Werturteil gleich unter; so wird das Kind nicht mehr dazu genötigt, den Wert selbst zu evaluieren. Eine Strategie, die sich im Marketing stets bewährt.

Was will ich sagen? Wären wir mit der Weisheit unseres Körperwissens sozialisiert und hätten wir gelernt, auf dieses jenseits kapitalistischer Verschleierungen und Bedürfniserzeugung zu hören, würde sich die Frage „Schnitzelsemmel oder Hot Dog?“ gar nicht mehr stellen.

Meist haben wir ein ziemlich gutes Gespür dafür, was unserem Körper und der Welt guttut, doch zu laut sind die anderen Stimmen: die der Großeltern und Eltern, die selbst in dieses System hineinsozialisiert wurden, die der Werbeindustrie, der vermeintlichen Influencer:innen. Doch die leise Stimme im tiefsten Inneren ist immer da, wir müssen nur die Ohren spitzen.

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