Der Salon: analog und digital.

 

Was geschieht im Philosophischen Salon?

Ein philosophischer Salon ist ein Ort des gemeinsamen Denkens und Erlebens. Hier versammeln sich Menschen, um sich einer zentralen Frage oder einem tiefgründigen Thema zu widmen. Dieses Zusammenkommen ist wie das Meißeln einer Statue: Jeder einzelne Beitrag trägt dazu bei, ein Phänomen oder einen Begriff nach und nach freizulegen. Es geht darum, verschiedene Perspektiven zu integrieren und den eigenen Horizont zu erweitern, indem wir aus den Erfahrungen und Ansichten der anderen lernen.

Im philosophischen Salon steht nicht der Wettstreit um das bessere Argument im Vordergrund, sondern das Streben nach Weite und Tiefe im Denken. Die Teilnehmenden nähern sich gemeinsam der philosophischen Frage "Was ist...?" und versuchen, ein Stück der verborgenen Wahrheiten freizulegen. Es ist keine Debatte, bei der es Gewinner:innen und Verlierer:innen gibt, sondern ein offener Dialog, der uns alle bereichert. Hier wird die Vielfalt der Gedanken und Meinungen geschätzt und als wertvolles Mittel gesehen, um ein tieferes Verständnis der Welt und unserer eigenen Existenz zu erlangen.

Ein privater Salon kann auch bestellt werden. Das Thema kann dann frei gewählt werden.

Philosophischer Salon im BuchQuartier

Ort: BuchQuartier, im Somogyihof, Hütteldorfer Straße 150–158/5/R01, 1140 Wien
Zeit: jeweils Montag, 19:00 – 20:30 Uhr
Eintritt: 15 €
Impuls und Moderation: Dr.in Cornelia Mooslechner-Brüll

1. „Warum empört mich das?“

Über Gerechtigkeit und unser Gefühl dafür

Mo, 19. Oktober 2026, 19:00 – 20:30

John Rawls schlägt ein Gedankenexperiment vor: Entwerfen Sie eine Gesellschaft, ohne zu wissen, welchen Platz Sie darin einnehmen werden – reich oder arm, gesund oder krank, hier geboren oder anderswo. Was Sie unter diesem Schleier des Nichtwissens wählen, ist gerecht. Der Trick daran ist, dass Rawls das Eigeninteresse nicht bekämpft, sondern blind macht. Dem steht eine unbequeme Beobachtung gegenüber: Unser Gerechtigkeitsgefühl meldet sich zuverlässig, wenn wir zu kurz kommen, und schweigt fast immer, wenn wir profitieren. Ein Abend über die Frage, ob wir einen Sinn für Gerechtigkeit haben – oder einen gut getarnten Sinn für den eigenen Vorteil.

2. „Woher soll ich wissen, was richtig ist?“

Über Entscheidungen und das Leben, das daraus wird

Mo, 16. November 2026, 19:00 – 20:30

Ein Student kommt zu Sartre und bittet um Rat: zur Résistance gehen oder bei der kranken Mutter bleiben? Sartres Antwort ist berühmt und wenig tröstlich – keine Theorie und keine Autorität kann ihm das abnehmen; er muss wählen und erfindet sich mit dieser Wahl selbst. Die Philosophin L. A. Paul hat später erklärt, warum vernünftiges Abwägen bei den großen Entscheidungen prinzipiell scheitert: Wer ein Kind bekommt, auswandert oder alles hinwirft, kann vorher nicht wissen, wie es sein wird – weil er danach ein anderer ist. Man entscheidet also nicht nur über sein Leben, sondern über die Person, die es einmal beurteilen wird.

3. „Wer würde es merken?“

Über Einsamkeit und das Angewiesensein

Mo, 14. Dezember 2026, 19:00 – 20:30

Hannah Arendt unterscheidet drei Zustände, die wir im Alltag verwechseln: das Alleinsein, in dem man mit sich im Gespräch bleibt; die Einsamkeit, in der auch dieses Gespräch verstummt; und die Verlassenheit, in der man nicht einmal mehr sich selbst gehört. Ihre beunruhigende These lautet, dass Verlassenheit kein privates Pech ist, sondern ein politischer Zustand – und die Voraussetzung dafür, dass Menschen anfällig werden für alles, was Zugehörigkeit verspricht. Ein Abend mitten im Dezember über die Frage, warum es uns peinlicher ist, einsam zu sein als traurig, arm oder krank.

4. „Bin ich ersetzbar?“

Über Liebe, Arbeit und die Frage, was Einzigartigkeit ausmacht

Mo, 18. Jänner 2027, 19:00 – 20:30

Fragen Sie jemanden, warum er Sie liebt, und Sie geraten in eine Falle. Nennt er Gründe – klug, warmherzig, verlässlich –, dann gilt die Liebe offenbar diesen Eigenschaften, und jemand mit denselben Eigenschaften in besserer Ausführung wäre die logischere Wahl. Nennt er keine, ist es Zufall. Beides trifft nicht, was gemeint war. Hannah Arendt schlägt einen Ausweg vor: Einzigartig macht uns nicht, was wir sind, sondern wer – und das zeigt sich nur in dem, was wir getan haben. Eine Eigenschaftsliste lässt sich kopieren, eine Geschichte nicht. Ob das trägt, entscheidet dieser Abend – und nebenbei stellt die Arbeitswelt gerade dieselbe Frage noch einmal neu.

5. „Bin ich, was ich verdiene?“

Über Geld, Leistung und Selbstwert

Mo, 15. Februar 2027, 19:00 – 20:30

Adam Smith, der Vater der Ökonomie, hat es früh bemerkt: Wir jagen dem Wohlstand nicht nach, um es bequem zu haben – bequem könnten wir es längst haben. Wir jagen ihm nach, um gesehen zu werden. Michael Sandel zieht daraus die härteste Konsequenz: Eine Gesellschaft, in der Erfolg verdient ist, zwingt die Erfolglosen zu dem Schluss, dass auch ihr Scheitern verdient ist. Das ist nicht nur ungerecht, es ist demütigend – und es ist die Kränkung, aus der Wut wird. Ein Abend über die Frage, wonach sich bemessen soll, was ein Mensch bekommt, wenn nicht nach Leistung.

6. „Darf mein Körper mich enttäuschen?“

Über Altern, Krankheit und die Illusion der Kontrolle

Mo, 22. März 2027, 19:00 – 20:30

Maurice Merleau-Ponty besteht darauf: Ich habe keinen Körper, ich bin einer. Wenn das stimmt, ist Krankheit kein technischer Defekt an einem Gerät, das mir gehört, sondern ein Riss in meinem Verhältnis zur Welt. Susan Sontag hat beschrieben, was wir daraufhin tun: Wir moralisieren. Wir suchen die Ursache im Charakter der Kranken – zu verbissen, zu wenig Bewegung, zu spät zur Vorsorge. Das tröstet die Gesunden, weil es ihnen Kontrolle verspricht. Die Kranken lässt es doppelt allein. Ein Abend über den Körper, der irgendwann nicht mehr tut, was wir wollen – und über die Frage, wer wir dann sind.

Der Salon digital.

Von überall zuschalten.

Der Salon findet ca. alle 2 Monate statt. Wir treffen uns via Zoom. Max: 15 Personen. Wir diskutieren im Online Salon! Keine philosophischen Vorkenntnisse nötig. Ein Text zur Inspiration und der Link werden versendet. Dein Themenvorschlag: praxis@philoskop.org

Im Salon wird gemeinsam gedacht.

Der philosophische Salon in Baden bei Wien - Helenenstrasse

Ab und zu findet der Salon vor Ort bei mir zuhause statt. Daher ist die Teilnehmendenzahl begrenzt auf 8 Personen. Es werden Knabbereien und Getränke gereicht. Wir sprechen über aktuelle Fragen. Vor dem Salon wird ein kurzer Text zur Anregung an die Angemeldeten gesendet.

Parkplatz: Falls in der Helenenstrasse 114/5 kein Parkplatz zu finden ist, bitte beim Hotel Sacher parken. Von dort sind es nur 2 Minuten zu Fuß. Vom Bahnhof Baden oder Josefsplatz fahren mehrere Busse in die Helenenstraße (Bus 308 und 306).

Zeit: jeweils 19-20:30

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