Empathie reicht nicht – zu Gast im Podcast „Empathie verstehen”
Wie sehr kann Empathie unsere gesellschaftlichen Probleme lösen? Darüber habe ich mit der Familientherapeutin und Autorin Mona Kino in ihrem Podcast „Empathie verstehen” gesprochen. Er erscheint beim Netzwerk Ethik heute.
Wir haben mit der Frage begonnen, was wir mit „Empathie” überhaupt meinen. Der Begriff ist erstaunlich jung. Mit Edith Stein verstehe ich Einfühlung als das unmittelbare Erfassen, dass ein anderer Mensch etwas empfindet. Sein Gefühl wird dabei aber nie meines. Wer vorschnell „Das kenne ich!” sagt, nimmt dem anderen Raum.
Von da aus geht es Stufe für Stufe weiter: von der Empathie zum Mitgefühl, das mit Paul Blooms „rational compassion” bereits nach dem Handeln fragt, und schließlich zur Solidarität als institutionalisiertem Mitgefühl. Ich vertrete die These, dass uns nicht das Einfühlen erschöpft. Erschöpfend ist es, wenn wir nicht handeln können. Wer jedes Problem mit Empathietraining lösen will, übersieht die Strukturen dahinter.
Zum Schluss sprechen wir darüber, warum das Philosophieren eine Kulturtechnik ist, die in die Schulen und in die Ausbildung von Lehrer·innen gehört. Im Dialog lernen wir, für andere einzutreten, auch wenn wir sie nicht ganz verstehen. Mit Hannah Arendt gesagt: für ihr „Recht, Rechte zu haben”.
🎧 Zum ganzen Gespräch (ca. 35 Min.): https://www.youtube.com/watch?v=iMsuA866loc
Wer gleich weiterdenken will, findet am Ende des Gesprächs einen Tipp zu meinen 30 philosophischen Fragen für Kinder. Mehr zum Philosophieren mit Kindern gibt es hier: https://www.philoskop.org/lehrgang