Gastbeitrag von Markus Mooslechner

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"Ödland" 

von Markus Mooslechner

 

eine rätselhafte Fortsetzungsgeschichte

19. Juni 2018

Plötzlich waren da diese Beine. Die Zeit war gekommen sich auf den Weg zu machen. 40 von Ihnen nahmen sich an den Händen um eine starke Kette zu bilden. Tagelang wanderten sie, ohne zu wissen wohin. Nach zwei Wochen stoppte die Expedition. Ohne, dass jemand das Wort ergriff wußten alle, dass der nächste Schritt nur durch einen gemeinsamen Kraftakt zu bewältigen war. Sie stellten sich eng aneinander. Langsam begannen sie im Boden zu versinken.

20. Juni 2018

Im Rückblick war vermutlich niemand unter den Reisenden stolz auf seine Herkunft. Im Gegenteil. Sie alle waren froh diesen elenden Winkel endlich hinter sich gelassen zu haben. Einen Winkel am hintersten Ende einer Welt von der aus heutiger Sicht niemand auch nur den Funken einer Ahnung haben konnte. Vielleicht lag auch gerade in dieser Unkenntnis der inneren und äußeren Umstände jener Kern Unbekümmertheit der dieses plötzliche Loslösen überhaupt erst ermöglicht hat. Zugegeben, unsere Überlegungen muten aus heutiger Sicht fast naiv, ja kindlich an. Mittlerweile hatte der Boden beinahe alle Reisenden verschlungen.

25. Juni 2018

Zuerst war da dieses ohrenbetäubende Surren. Ein Sirenengesang aus tausend Kehlen und unzähligen Richtungen Geflüster und Geschrei, Gesänge und Befehle, betteln und buhlen, werben und verführen. Inmitten dieser alle Sinne betäubenden Kakophonie waren die 40 Reisenden, eng aneinander geklammert, die Hände in eiserner Verschränkung, versteinert und unfähig zu handeln. Der Boden hatte sie verschlungen und wieder ausgespien. Betäubt und dem Wahnsinn nahe, waren einige bereit ihre Umklammerung zu lockern, den sicheren Bund zu lösen, sich den süßen Verlockungen der gierigen und werbenden Rufe hinzugeben. Hinzu kam, dass das Inferno keinen Anblick bot. Das Blickfeld war seltsam verzerrt und gekrümmt. Geblendet und von Sinnen suchten die Geschundenen nach Halt und Richtung, irrten und stolperten, Kräfte und Halt verlierend. Was dann passierte ist nur bruchstückhaft überliefert. Was wir wissen ist, dass einer plötzlich stehen blieb und mit ihm die ganze Gruppe.

Fortsetzung folgt