Was ist Freiheit?

Was ist Freiheit? - oder: Sind wir wirklich frei? 

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Wer hat sich noch nicht gefragt, oh man nun die attraktive Person gegenüber im Lokal freiwillig angesprochen hat oder andere Kausalitäten einen zum Handeln gebracht haben. 

Freiheit ist Vernunft?

Mit der Freiheit beschäftigt sich die Philosophie seitdem es sie gibt. Zunächst steht die Freiheit in Verbindung mit der den Menschen auszeichnenden Vernunft. Bei Sokrates und Platon ist der Mensch frei, wenn er mittels Vernunft das Beste wählt -  die Vernunft leitet den Menschen so zum Guten.

Auch bei Descartes wächst die Freiheit mit der Zunahme der geistigen Klarheit über die Willensziele. Die Selbstbestimmung und die Autonomie stehen hier im Mittelpunkt. Wer einen starken Willen ausbildet, ist schließlich auch dazu in der Lage sich von den Affekten frei zu machen - so auch Spinoza. 

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach...

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Nachdem das mit dem Willen nicht ganz so einfach ist, wurde schon bald zwischen Willens- und Handlungsfreiheit unterschieden. Ich handle frei, wenn ich tun kann was ich tun will. Ich kann also, wie so viele leidig erfahren müssen, etwas wollen und dennoch bin ich nicht in der Lage dazu, dementsprechend zu handeln. Frei in meinem Willen bin ich dann, wenn ich dazu in der Lage bin, diesen selbst zu bestimmen - wenn ich selbst entscheiden kann, welche Überzeugungen, Wünsche, Motive wirksam werden sollen und welche nicht. Man merkt, Willens- und Handlungsfreiheit sind eng verknüpft. Auch bei Kant, wenn er die Willensfreiheit als ein Vermögen auffasst, einen Zustand von selbst anzufangen. Er nannte dies, die praktische Vernunft.

 

Freiheit ist Ordnung?

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Der Wille und die Vernunft sind aber nicht die einzigen Maßstäbe für die Freiheit des Menschen. Der Mensch lebt immer schon in Gemeinschaft. Es stellt sich also die Frage, nach dem Zusammenhang von Freiheit und Ordnung. Nach Hegel sind wir dann frei, wenn wir der sittlichen Idee des Staates Folge tragen. Denn der Staat, hat keinen Zweck außer sich. In ihm verwirklicht sich der Mensch selbst.

Rousseau nannte dies die bürgerliche Freiheit, über die wir verfügen, indem wir uns selbst Gesetze gebe. Der Mensch beschränkt sich hier zwar teilweise in  seiner Freiheit, aber nur, um andererseits einen Handlungsspielraum (Freiraum) zu öffnen. Obwohl diese bürgerliche Freiheit also Vorteile mit sich bringt, so lagen wir schon damals für Rousseau überall in Ketten. "Der Mensch wird frei geboren und überall liegt er in Ketten." Kulturelle Hegemonien, Traditionen, unhinterfragter Fortschritt, Arbeits- und Wirtschaftsideologien wirken sehr subtil herrschaftlich. Auch dieser Gedanke höchst aktuell.

Anything goes?

Die meisten Philosoph*innen waren sich einig: Willkür und absolute Freiheit im Sinne einer Grenzenlosigkeit führen einzig und allein zu Nihilismus. Wenn alles möglich wird, ist gleichzeitig nichts möglich. Wäre doch mal einen Gedanken wert, den Anspruch des grenzenlosen Wachstums damit in Verbindung zu bringen... 

Was sagen nun die Salon Gäste?

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Ich fange am Ende an. Es folgen die resümierenden Stichworte:

Freiheit ist
- Pragmatismus: im Sinne einer angenommenen Freiheit, die nicht real sein muss, aber allein schon fürs Rechtswesen notwendig, um Verantwortlichkeiten zu erzeugen.
- Wählen können: die Entscheidung ist ein zentrales Merkmal von Freiheitskonzepten - wenn ein System auf Kontingenz beruht, also nicht alles vollständig determiniert ist, dann wird eine freie Wahl möglich.
- Gefühl: geht es wirklich darum, ob wir in jeglicher Hinsicht frei sind oder vielmehr darum, uns frei zu fühlen und dementsprechend zu handeln?
- Geist: der Körper wird gesteuert, ist determiniert, aber der Geist kann sich dazu verhalten und ist deshalb frei.
- Verantwortung: wer frei sein will, muss Verantwortung übernehmen für sein Handeln und seine Entscheidungen.
- Nirvana / Erleuchtung: vielleicht ist Freiheit ein nie vollständig zu erlangendes Ideal und seht erst am Ende jeglichen Seins?
- Zweifel: schlussendlich ist derjenige frei, der auch noch an der Freiheit zweifelt - Descartes lässt grüßen!
- Nein sagen! Freiheit heißt sich zu den Umständen und Zuständen zu verhalten und in Widerstand dazu zu gehen - ein Satz, der hier die Salon Teilnehmer*innen erregte: "Freiheit ist die Unverletzbarkeit gegenüber dem Nein der Welt" - in dieser Variante sagt die Welt nein und der Mensch spricht ein emphatisches Ja (also doch Nietzsche?). Ich konnte das Zitat leider nicht finden. Vielleicht möchte Sascha die Fundstelle noch im Kommentar nennen. 
- Unendlichkeit: Freiheit ist nur möglich, wenn es keine definitive Grenze gibt
- Selbstbestimmung / Autonomie: sich von Systemen nicht durchgängig determiniert zu fühlen / zu sein?

Viele Antworten also, wie erwartet und vor allem einiges, um noch mal nachzudenken. Auf jeden Fall ist Achtsamkeit gefragt: denn der Kapitalismus verspricht eine Handlungsfreiheit, die entweder unmöglich oder eine Last ist und arbeitet dabei über die Einschränkung der Willensfreiheit. Der Salon ist mit seiner Aufgabe damit längst noch nicht am Ende und solchermaßen geht es auch weiter....

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