Das war der Salon "Geld" - und Simmels "Philosophie des Geldes"

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Der 11. philosophische Salon und dieses Mal ging es um das Geld. Wir lasen dazu einen Auszug aus Georg Simmels "Philosophie des Geldes" von 1900. Unglaublich aktuell dieser Text! Vor allem auch zu empfehlen zur Frage des Entstehens von Wert und zur Tauschthematik.

Zunächst unterscheidet Simmel beim Tauschgeschäft Mittel und Zweck. Der Zweck steht in Verbindung mit dem Willen und dem Gefühl, wohingegen die Mittel der Intellektualität zugeordnet werden. Denn, wenn wir überlegen welche Mittel für welchen Zweck angemessen sind, dann braucht es dazu ein rationales Denken - ein kalkulierendes und rechnendes Denken.

Mit der Etablierung der Geldwirtschaft - und nachdem sich dieses Mittel mehr und mehr zwischen die Tauschobjekte schiebt - werden die Reihen der Mittel, die aneinander gereiht werden, immer länger und mit der Zeit kann es dazu kommen, dass wir den eigentlichen Zweck aus den Augen verlieren.

Zudem wird das Geld so aufgewertet, dass es zum Selbstzweck wird und seine Funktion als Mittel verliert. Dies wiederum bringt nach Simmel zwei Konsequenzen mit sich: 

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1. Geld ist nach Simmel "charakterlos". Charakter bedeutet bei ihm individuelle Daseinsart, Einzigartigkeit. In Bezug auf Geld sind aber alle gleich. Jeder kann potenziell Geld besitzen, es gibt hier keine Normen, Werte, gesellschaftliche Grenzen, die Geld prinzipiell nur bestimmten Personen vorbehalten würden. In einem Geschäft hat ausschließlich das Geld Wert, nicht die Personen, die daran beteiligt sind. Diese Nüchternheit, Rationalität, das Kalkül wirkt sich auf das Geistesleben aus und lässt eine kühle, kalkulierende Kultur entstehen.

2. Gerade dadurch, dass der Form nach eine prinzipielle Gleichheit gegenüber dem Mittel Geld besteht, fühlt sich jeder dazu veranlasst ganz individuell und dem eigenen Nutzen entsprechend das beste daraus zu machen. Die Gleichheit oder Kommunismus des Geldes, wie Simmel es ausdrückt, produziert so auf der anderen Seite eine Atomisierung der Gesellschaft und ermöglicht ein rücksichtsloses Durchsetzen von individuellen Interessen.

Was sagen nun die Salongäste dazu?

Zunächst war uns wichtig, Geld als Zahlungsmittel von Vermögen und Besitz zu unterscheiden. Denn der Besitz hat Bedeutung für die Sicherung der Zukunft, wie zum Beispiel die Hinterlassenschaft für Kinder. 

Das Geldsystem, wie wir wissen, beruht auf Vertrauen. Wie enorm dieses Vertrauen aber auch unbewusst ausgeprägt ist, wird erst klar, wenn wir beginnen die eigentliche Wertlosigkeit des Materials Geld zu reflektieren. Der Geldschein kostet in der Produktion nur ein paar Cent, wir vertrauen aber darauf, dass er z.B. 100 Euro Wert ist. Was sich dahinter verbirgt, ist ein Schuldsystem. Nun beruht natürlich jegliches Gemeinweisen auf Vertrauen, so auch beim Rechtswesen.

Viele waren sich einig, dass auch die Geldwirtschaft Regeln braucht und dass zwar auf Geld als Tauschmittel nicht verzichtet werden kann, dass es aber einen anderen Umgang mit der Gier und dem exzessiven Vermehren von Vermögen, sowie Spekulation, braucht. Hier kommt auch die Frage nach Verteilungsgerechtigkeit und Solidarität mit ins Spiel.

Die Frage, die uns als zentral erscheint, ist die Frage nach der Balance zwischen dem Bedürfnis nach individueller Sicherheit, auch die Sicherheit, dass das eigene Eigentum geschützt werden kann und auf der anderen Seite die notwendige Regulierung und auch Einschränkung, wenn ein gewisses Maß überschritten wird. Wer soll darüber entscheiden? Wie transparent müssen Finanztransaktionen sein? Welche Rolle spielt hier Moral? Die alte Frage nach privat und öffentlich also.

Dafür braucht es wieder, wie so oft das Ergebnis eines Salons, eine kritische Öffentlichkeit: Eine Diskussion über das, was Gemeinschaft ausmacht - über Ideale, Werte, Normen. Und genau deshalb machen wir auch weiter! :)

Danke an alle Beteiligten!

Der nächste Salon kommt bestimmt - nämlich hier: Was ist das Ich?

Cornelia BruellKommentieren