Homo digitalis - das war der Salon

Schön war's wieder! 12 Interessierte - generationenübergreifend - diskutierten im Philosophischen Salon über den Menschen im digitalen Zeitalter. Nachdem das Thema äußerst viele Facetten aufweist, versuchten wir uns vor allem auf die leiblichen Auswirkungen zu konzentrieren. Wie verändern sich unsere Sinne? Was passiert mit unserer Wahrnehmung? Zu welchen Eingriffen wären wir bereit im Zuge von Human Enhancement?

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Besonders interessant: die Ansichten der digital natives, die sich selbst in Hinblick auf Social Media und online Präsenz disziplinieren wollen und müssen. Zu oft weist die Notwendigkeit zum Posten und Informationensaugen einen Zwangscharakter auf - man könnte ja etwas verpassen. Der Körper bleibt, trotz dem Fenster zur informativen und kommunikativen Weite, verengt, starr, unbeweglich. Die Augen, die Sinne, ganz auf einen Punkt konzentriert. Dafür boomen Ergotherapie, Yogaausbildung und Studiomitgliedschaft, um zur Unbeweglichkeit einen Ausgleich zu schaffen. 

Der Blick wird online besonders hintergangen: Auf Skype kann man sich nicht in die Augen sehen - sieht man in die Kamera, sehe ich den anderen nicht, sehe ich den anderen an, sieht es so aus, als würde ich nach unten blicken. Die Begegnung ist schief.

Die analoge Welt wird oft schon in Hinblick auf die digitale gelesen, gesehen, gehört. Ein schöner Ausblick wird geistig sofort durch den Instagram Filter gejagt: könnte es sich lohnen, mein Sehen, bearbeitet und verändert, den anderen zu präsentieren? Wir scannen die Welt mit einem digitalen Auge.

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Gleichzeitig will niemand auf die technologischen Errungenschaften in der Medizin verzichten. Besser hören, besser sehen, beweglich bleiben - warum nicht? Doch ob es wirklich den Supersoldaten braucht (Artikel in der aktuellen Le Monde diplomatique), lässt sich hinterfragen. Zumal jede Veränderung, macht es den Körper noch so stark oder die Verletzlichkeit und Schmerz vergessen, wieder andere Konsequenzen nach sich zieht. Zusammenhänge sind komplex und oft nicht absehbar.

Manche sind sich sicher: ob über Ressourcenknappheit, Klimawandel oder Desinteresse - wir werden lernen, mit Digitalität, Human Enhancement und Transhumanismus umzugehen. Zentral ist aber, Medienkompetenz sowohl zuhause als auch in den Schulen den Kindern stärker zu vermitteln.

Wir kamen auf die Idee einer Salon-Challenge: Einen Tag völlig offline verbringen - ohne Handy oder Computer. Es darf ein Samstag sein. Bericht folgt!

Der nächste Salon kommt bestimmt, nämlich im Oktober! Im Anschluss an dieses Thema und aktuelle politische Entwicklung zum Thema: privat vs. öffentlich?

Ich freu mich! 

Cornelia BruellComment