Diskussion mit Karl Schwarzenberg

In wunderschönem Ambiente in St. Urban im Schloss Bach fanden die 11. Carinthischen Dialoge statt (7. bis 9. Juli) - das Programm gestaltet und die gesamte Veranstaltung bis ins kleinste Detail organisiert von Johanna und Chlodwig Franz. Ein beeindruckend liebenswertes und umfassend gebildetes Paar und die besagten Schlossbesitzer.

Ich hatte die große Ehre zum ersten Mal dabei sein und dann gleich das Eröffnungsgespräch mit Karl Fürst zu Schwarzenberg führen zu dürfen. Jenem zweimaligen tschechischen Außenminister und Präsidentschaftskandidaten, der 2013 mit 75 Jahren als der Kandidat der Jugend mit nur einem Prozent gegen Zeman verlor und im Wahlkampf mit pinker Iro-Frisur abgebildet wurde. 

Und genau so unprätentiös tritt er auch in Erscheinung. Zwar mit Chauffeur (nach 9 Stunden Fahrt ankommend) aber sofort jegliche Umstände, die um seine Person gemacht werden, scharf zurück weisend.  

Worum sollte es gehen? Um das Thema der Tagung: Meine - Deine - Unsere Welt? Und wenn man mit Schwarzenberg spricht, dann muss es natürlich um Europa gehen. Denn neben seiner Familiengeschichte, der tschechischen Staatsbürgerschaft und dem Schweizer Bürgerrecht, dem wöchentlichen Pendeln zwischen Prag und Wien ist er vor allem eines: überzeugter Europäer - und das immer schon schonungslos in seiner Kritik und mit spitzer Zunge.

Zunächst mussten wir feststellen, ja, jeder hat seine Welt. Abhängig von geografischen, kulturellen, sozialen und anderen Grenzen. Aber, so Schwarzenberg, wir können versuchen den anderen zu verstehen und vor allem mitsamt seiner Welt zu respektieren. Die Sprache spielt hier eine wichtige Rolle - das Denken wird durch die Sprache geprägt. Von einer Europäischen Öffentlichkeit kann kaum gesprochen werden.

Schwarzenberg kritisiert vor allem, dass sich Frankreich und Deutschland manchmal schon als ausreichend Europäische Öffentlichkeit versteht, die für alle spricht und handelt. Europa muss also vom Zentrum in die Peripherie wachsen - auch in den Köpfen.

Wie steht es nun mit dem Umgang mit den anderen Welten? Wie viel Toleranz ist notwendig oder wünschenswert, droht doch die Gefahr des Kippens in Indifferenz und Gleichgültigkeit? Schwarzenberg bekennt sich dazu ein intoleranter Mensch zu sein. Denn Toleranz bedeutet auch für ihn zu oft "moralisch verkleidete Gleichgültigkeit". Schwarzenberg schlägt dagegen vor: Respekt. Und ganz im Sinne Wittgensteins: Wer nichts zu sagen hat, der soll besser schweigen. 

Schwarzenberg hat hingegen weniger Bedenken beim Phänomen des Populismus. Denn meist handle es sich um Menschen, die über besonders wenige Überzeugungen verfügen. Der Populist ist ideologiefrei und ein Narzisst. Und er profitiert vom Zerfall der traditionellen Parteien und dem Verlust der Inhalte. 

Und kommt nun die europäische Revolution, die Schwarzenberg 2011 vorher gesagt hat? Er muss zugeben, darin hatte er sich getäuscht. Es gibt keine neuen Ideen oder Utopien, die für eine solche Revolution stehen könnten. Als erstes brauchen wir eine gemeinsame Außenpolitik und Energiepolitik. Auch hier sieht es nicht gut aus, aber Schwarzenberg verliert nicht die Hoffnung. Wir brauchen Europa und wir müssen die Politik dazu zwingen, sich endlich den großen Fragen zu widmen.

Zu den Gesprächen wird es noch eine eigene Publikation geben.

Und nächstes Jahr geht es weiter mit den Carinthischen Dialogen. Ich freu mich schon!

Cornelia BruellComment