Säkularer Staat - was im Salon geschah...

Klar, ein heißes Thema. Wohin mit der Religion? Welchen Stellenwert soll die Religion innerhalb staatlicher Strukturen einnehmen? Soll Religion schulisch vermittelt werden? Wenn ja, welche und von wem?

Zwölf Menschen zerbrachen sich über diese und andere Fragen den Kopf. Viele Perspektiven kamen zum Vorschein. Eines schien aber Konsens zu sein: zufrieden mit dem Ist-Zustand ist niemand. Weder die Vermittlung nur EINER Religion, noch den schon 20 Jahre andauernden Schulversuch die "Abtrünnigen" zum Ethik Unterricht zu motivieren, stieß auf große Zustimmung.

Welche Rolle der Glaube prinzipiell für den Menschen spielt oder spielen soll und wie sich ein solcher auf den Gesamtzustand der Gesellschaft auswirkt, konnte weniger einstimmig beantwortet werden. Definitiv kam wieder zum Ausdruck, wie schwierig es ist, eine scharfe Grenze zwischen Glauben und Wissen zu ziehen. Oder, so eine These, handelt es sich gar nicht um Grenzen, sondern viel mehr die Notwendigkeit im Spiel zwischen Wissen und Nicht-Wissen immer wieder zu glauben? Und viel mehr noch: sind wir nicht auch in anderen Lebensbereichen mit fundamentalen Überzeugungen konfrontiert? Ist nicht auch die neoliberale Ideologie, der Glaube an die Wettbewerbsökonomie, ein Glaube? Und dient letztere nicht stellenweise als Ersatzreligion?

Es konnte dann doch noch ein gemeinschaftlich Gewolltes identifiziert werden: die Notwendigkeit, das kritische, reflektierte, autonome Denken stärker zu befördern und dies vor allem auch in Bildungseinrichtungen. Dann wäre der Inhalt vielleicht auch weniger das Problem, wenn der Umgang mit diesen gelehrt werden würde. Wieder ein Grund mehr, das Philosophieren in alle Bildungswege zu integrieren. 

Nachdem auch engagierte Pädagog_innen anwesend waren, kam es im Anschluss daran zu einem interessanten Vorschlag: Warum nicht das Philosophieren zu einem Pflichtgegenstand machen und die Vermittlung der Religion zu einem Wahlfach? Der Staat würde sich so weder aus seiner gesellschafts- und bildungspolitischen Pflicht gegenüber einem zentralen Bestandteil der Kultur entziehen, noch müsste er als Funktionär einer konkreten religiösen Überzeugung den Kindern gegenüber treten. Wie lange eine solche Reform noch dauern könnte? Puh, betretenes Schweigen....

Dennoch verließen wir beschwingt und guter Dinge den Salon, mit dem Gefühl, die zentralen Themen unserer Zeit zumindest angerissen zu haben. Und vielleicht konnte auch der ein oder die andere etwas für sich mitnehmen.

Ich freue mich jedenfalls auf die nächste Runde! Und Achtung! Es wird um die Wahrheit gehen! 

Cornelia BruellComment