Heimat ist...

Gestern beim Philosophischen Salon in Baden rauchten die Köpfe - 8 an der Zahl!

Den Heimatbegriff klären - eine äußerst komplexe Angelegenheit, nachdem es sich um einen höchst multi-valenten Begriff handelt. 3 Stunden dauerte es und wir kamen natürlich nicht an ein wirkliches Ende. Aber die Annäherung war äußerst gelungen. Viele verschiedene Aspekte wurden heraus gearbeitet: 

Heimat kann einerseits ein historisch belasteter, politischer Begriff sein, der der Ab- und Ausgrenzung dient. Auf der anderen Seite steht der Begriff für ein Gefühl: Vertrautheit, Struktur, Sicherheit, Beziehung, Glaube.

Mindestens zwei Heimatbegriffe stehen sich gegenüber: Heimat als Raum / Umgebung oder Welt, in die man gestellt ist und die einem Sicherheit, Geborgenheit und Vertrautheit vermittelt. Auf der anderen Seite, Heimat als das Gefühl der Intimität und dem Gefühl der Sicherheit, das sich aus dem Selbst heraus auf Welt ergießt und damit ermöglicht, sich immer wieder Neues anzuverwandeln (Rosa), zu eigen zu machen. Zwei Richtungen also einer resonanten Beziehung. 

Selbst in unserer kleinen Gruppe zeigte sich, dass es Menschen gibt, die den Heimatbegriff nicht brauchen. Sich als heimatlos, aber daher als besonders frei und in der Welt aufgehoben fühlen. Andere wiederum könnten auf das Gefühl der wohligen Geborgenheit und der Verbundenheit mit Sprache, Kultur und Raum nicht verzichten. Wir sehen, dass es auch hier mehrere Zugänge und Antworten gibt. Auf den Heimatbegriff vollständig zu verzichten, geht daher nicht. 1. ist er politisch aktuell und muss daher immer neu verhandelt werden. 2. gibt er vielen Menschen Sicherheit und hilft ihnen, sich zu verorten. Es muss also weiter diskutiert werden! Was uns natürlich Freude bereitet....

Ich freue mich auf den nächsten Salon!

Und wieder ein höchst kontroverses Thema: Säkularer Staat?

Robert Harsieber hat sich aufgrund des Salons zu einem äußerst lesenswerten Blogeintrag anregen lassen: https://brueckenbau.wordpress.com/2017/04/01/heimat-2/

Und hier findet Ihr noch ein schönes Nietzsche Gedicht zum Thema:

Friedrich Nietzsche

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein. –
Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist Du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt – ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! –
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein. –
Weh dem, der keine Heimat hat.

Cornelia BruellComment