Die Welt der Digitalzombies

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Die digitalen Zombies dieser Welt - sie treiben sich im Netz herum. Sie lassen Mitgliederzahlen nach oben peitschen, suggerieren Aktivität, Dynamik, Leben. Du kannst sie sogar sehen, sie haben ein Gesicht, sie haben einen Daumen und offensichtlich zumindest einen Finger, der auf den Beitrittsbutton klicken kann. Aber Vorsicht! Sie sind nicht echt! Sie besitzen keine Sprache. Sie reagieren nicht. Sie treten in der leiblichen Wirklichkeit nicht in Erscheinung - niemals wird es zu einem körperlichen oder auch nur kommunikativen Aufeinandertreffen kommen. 

Meetup ist eine dieser Zombiewelten. Es scheint, als ob sich diese Digitalzombies von dem Hinzufügen zu Gruppen ernähren. Sie wachsen, werden stärker, mit jeder Gruppe der sie beitreten. Hunderte von Zombiefriedhöfen gibt es im Netz. Meine Zombiewelt hat bereits 184 "Mitglieder“. Manche dieser Zombies sind mutig - sie tragen sich für konkrete Veranstaltungen ein. Fügen manchmal sogar einen Gast hinzu. Aber Vorsicht, sobald Du sie anschreibst, um eine persönliche Anmeldung bittest oder auch nur Informationen zukommen lässt, wirst Du mit eiskalter Ignoranz und stechendem Schweigen gestraft. Es gibt sie nicht - nicht verbal, nicht kommunikativ, nicht partizipativ. 

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Der Seele beraubt, willenlos - das ist die Definition eines Untoten. Ich würde hinzufügen: tatenlos. Manchen dieser Digitalzombies reicht es nämlich, sich für etwas zu interessieren. Das „Interesse" wird von ihnen als Teilnahme in die Venen indiziert und sichert so ihr Unleben. Philosophisch gesagt: den Digitalzombies gelingt es nicht, sich aus Schopenhauers blindem Willen zu befreien und ihn in der Selbsterkenntnis zu objektivieren. Oder im Sinne Arendts: weder vita activa, noch vita contemplativa, sondern vita vampiva.

Denn auch sie saugen: sie saugen an deiner Hoffnung, etwas zu bewegen, jemanden zu berühren. Sie ernähren sich von dieser Hoffnung der anderen, gemeinschaftlich aktiv werden zu können - das Digitale ins Analoge überführen zu können - das Aktive und das Kontemplative zusammen laufen zu lassen. 

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Welches Mittel gibt es gegen Zombies? Bis ins 18. Jahrhundert wurde Totenwache gehalten, um jene, die sich vom Totenbett erhoben, einfach endgültig zu erschlagen. Doch dieser digitale Prügel muss erst erfunden werden. Digitale Zombiefriedhöfe vollständig meiden ist auch schwierig. Denn dann gehen die wenigen lebenden Seelen verloren, die sich noch aus reiner Unkenntnis dort herum treiben. 

Bald soll es möglich sein Gerüche digital zu übermitteln. Vielleicht kann sich also jemand der Entwicklung eines digitalen Knoblauchdufts annehmen, um endlich aufzuräumen im Netz! Für diesbezügliche Hinweise wäre ich jedenfalls dankbar.

Cornelia Bruell2 Comments