Die Philosoph_innen sind gekommen

Ein Bericht zur Nacht der Philosophie von Anna Lischka

Was haben Glückskekse, Landkarten, Origami-Figuren, alte Gitarren und Pinocchio-Gemälde gemeinsam? So einiges – zumindest seit der Veranstaltung Die Philosophen kommen. Reflexion in Wort und künstlerischer Performance. Organisiert von Dr. Cornelia Bruell (PHILOSKOP) und Marion Fugléwicz-Bren (Gesellschaft für Angewandte Philosophie) fand der Abend am 25. Mai im Rahmen der Nacht der Philosophie im Restaurant Gabel&Co in Wien statt. Philosophieinteressierte jeden Alters waren im Vorfeld dazu aufgefordert, ihr ganz persönliches Verständnis von Philosophie in Form von künstlerischen Beiträgen auszudrücken und vor Publikum live zu performen. Das Ergebnis: Ein kurzweilig-amüsanter und zugleich tiefgründiger Abend, an dem all die anfangs genannten Gegenstände – neben vielen weiteren – zum kreativen Ausdrucksmittel philosophischer Themen wurden. 

Vor allem jene, die Philosophie ausschließlich mit einsamem Bücherlesen, abstrakten Theorien und großen Namen wie Platon und Sokrates assoziieren, wurden überrascht: Die Vielfalt der Medien und Kunstformen war beeindruckend, reine Textbeiträge die Ausnahme. In gemütlicher Runde bei dem einen oder anderen Glas Wein begann der Abend Die Philosophen kommen mit einem gleichnamigen Video von Oliver Graf. Auf ironisch-kritische Art und Weise thematisierte es die vermeintliche Bedrohung, die die Gesellschaft in Philosoph_innen zu erkennen glaubt.

Jan Daxner, Anna Erb, Thomas Ladstätter und Yao Yao begeisterten das Publikum mit ihren Fortune Cookies – selbstgebackenen Glückskeksen, deren Inneres Zettelchen mit individuellen Aussagen aus persönlichen Gesprächen zum Thema Glück beinhaltete. Auf einer mit liebevollem Auge fürs Detail gezeichneten Landkarte mit Regionen wie Normal Life Valley, Mount Achievement oder Lake Love konnte im Anschluss jeder Zettel in der eigenen Glückszone verortet werden. Ebenso interaktiv gestalteten Maria Gstättner, Susanne Preissl, Eva Puchner und Josef Winkler ihren Beitrag TranslationHochFünf, eine fünfteilige Translation des Textes „Die Aufgabe des Übersetzers“ von Walter Benjamin, die sich am Ende durch die Partizipation des Publikums komplettierte.

Den Themen und Sehnsucht und (Un-)Zufriedenheit widmete sich Kim Habersatters Kurzgeschichte Einst lebte eine Stadt im Irgendwo, gelesen von Karolina Ellinger, die passend zum Text ein Stop-Motion-Video mit Origami-Figuren produzierte. Vor der Pause folgte mit einer Toneinspielung von Sophia Pfisterer und Agnes Hvizdalek der erste musikalische Programmpunkt des Abends: Violine und Stimme, beides unabhängig voneinander und ohne vorherige Absprache der Künstler_innen aufgenommen und im Anschluss übereinandergelegt und gemischt. Ein berührender Beitrag, der soziale Zwischenräume spürbar werden ließ.

Bei so viel Kreativität fragte man sich: Wer sind all diese jungen, philosophieinteressierten Menschen? Bei den im ersten Teil des Abends aufgetretenen Hobbyphilosoph_innen handelte es sich um Studierende des Kulturmanagement-Lehrgangs an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Mit Dr. Cornelia Bruell als Lektorin verwundert es nicht, dass sie im Studium Lust aufs Philosophieren bekommen haben: Sie ist Leiterin von PHILOSKOP, ihrer eigenen Philosophischen Praxis in Baden. Den Abend organisierte sie gemeinsam mit der Autorin und Journalistin Marion Fugléwicz-Bren, Mitglied der Gesellschaft für Angewandte Philosophie, welche die Nacht der Philosophie mit Lesungen und Gesprächsrunden in 15 Wiener Cafés veranstaltet. Die Philosophen kommen ist übrigens nicht nur der Name der Veranstaltung im Gabel&Co, sondern zugleich der Titel eines von Fugléwicz-Brens Büchern.

Doch zurück zum Abend, dessen weiterer Verlauf sich nach der Pause nicht minder spannend gestaltete: Außergewöhnliche Fragen wie „Was denken unsere Füße? Wie reflektieren unsere Hände?“ stellte die Tänzerin und Tanzpädagogin Daniela Gruninger in ihrem Beitrag Das tanzende Denken und schuf damit Bezüge zwischen Philosophie und dem menschlichen Körper. Die wohl jüngste Teilnehmerin, Tina Hütterer, widmete sich der Thematik des Abends aus der Perspektive von Schüler_innen, die der ersten Unterrichtseinheit im Fach Philosophie entgegenblicken und dabei gedanklich zwischen „eh unnötig“ und „Jeder Mensch ist ein Philosoph“ schwanken.

Bei abgedunkeltem Licht und auf dem Boden sitzend gaben sich anschließend Georg Zichy und Fabian Wutti einer musikalischen Improvisation hin. Sie bespielten, bezupften und betrommelten Gitarren mit Teelöffeln, Streichbögen und bloßen Händen und zogen die Zuhörer_innen mit diesen ungewöhnlichen Klängen in ihren Bann.

Den Abschluss machte die bildende Künstlerin Sabine Haidner mit der Präsentation ihrer eigens für die Nacht der Philosophie angefertigten Werke Pinocchio und to admire the problem, die in eine angeregte Diskussion mit dem Publikum mündete.

Bei so viel Unterschiedlichkeit hatten doch sämtliche Beiträge etwas gemeinsam. Sie alle waren nicht nur inhaltlich am Puls der Zeit, sondern vor allem eines: berührend. Wahrscheinlich, weil sie genau das darstellten, wonach man sich als Zuhörer_in sehnte – höchst persönliche, subjektive und ehrliche Interpretationen von kreativen Menschen, die in ihrem Zusammenspiel einen wunderbaren Abend voller Inspiration entstehen ließen.