Es wurde wieder geslamt!

Toller Slam Abend im Philogreissler am 22. März und dieses Mal war die Bude voll! 

Ein paar Bilder inklusive Fan Club und natürlich das Video zu meinem Slam mit dem Titel AUF!STEHEN. Tonqualität ist leider wieder nicht super. Hoffe, es geht trotzdem. Ansonsten findet Ihr unten den Text.

Auf!stehen

Postmoderne
Postmarxismus
Postradikalisierung
Posttraumatisierung
Postdemokratie

das endet nie
das „Post“ hat Konjunktur
ich mach mich auf die Spur
es handelt sich natürlich nicht um den Kasten
der statt an Häuserecken zu rasten
sich immer besser zu verstecken weiß
und man so doch wieder zum Warten bereit
sich begibt in die Schlange
für die schriftverkehrlichen Belange.
 
Nein. Es ist ein Wort der Zeit
das stets und überall bereit
auf ein danach verweist
sich der Verantwortung entreißt
wirklich etwas auszusagen
ohne das alte zu befragen.

Das „Neo“ ist nicht besser als das „Post"
es ist ähnlich schwere Kost
die beiden tief umschlungen in obszöner Liaison
zwar eingewickelt wie in einen Kokon
doch ohne sich gegenseitig zu verzücken
da aneinander gepresst Rücken an Rücken
wie Aristophanes’ Kugelmensch es war
der angeblich stellt die zwei Hälften dar
obwohl der eine wie der andere nur verzweifelt darum ringt,
dass der Blick zum anderen endlich gelingt.

Da gefällt mir der Titel heute schon besser
Das „auf“ verweist auf den Schnitt des Messer
der kann spalten statt verwalten
der kann zerlegen statt verkleben
der schreit nach Handlung und Aktion
was verweist auf die menschliche Dimension
des Ungehorsams und der Rebellion.

Das Rufzeichen mag ich
es ist ganz im Jetzt
es lässt keinen Platz für den letzten Rest
Dort, wo es sich befindet, mitten im Wort
reißt es das Gesagte mit sich fort
verpflichtet die Sprecherin auf den Moment
legt den Finger darauf, wo es gerade brennt.

Das Rufzeichen
es hat mit Verantwortung zu tun
es schreit
stets bereit
zu springen
um die anderen zu zwingen
hier und jetzt etwas zu tun
aufzustehen und sich nicht auszuruhen
dem anderen zu geben und mit ihm zu leben
nicht für den anderen, für ihn oder sie
sondern für uns selbst
Entelechie und Eudaimonie.

Doch halt
so einfach ist es nicht
was macht da das „Stehen"
der kleine Wicht.

Wie kann das Stehen hinter dem Rufzeichen überleben
müsste sich das nicht in dessen Gegenwart übergeben
und was macht es mit der Präposition „auf"
da scheißt doch das „Stehen“ einfach drauf.
auf(Rufzeichen)stehen
Wie kann das gehen?

Stehen ist keine Bewegung
also wie umgehen mit dieser Entgegnung
diesem Aufruf nach Tat und Aktion
obwohl wir zum Schluss doch nur wieder ruhen.

Aber vielleicht ist genau das die philosophische Essenz
vielleicht braucht das eine immer das andre für seine Existenz
was wird denn bewegt, wenn nicht etwas steht
was wird geboren, wenn nicht im selben Moment etwas verloren
was kann sich verändern
wenn nicht etwas gleich bleibt an den Rändern
in deren Verhältnis es sich dreht
rein, indem es zu etwas in Beziehung steht.

Es ist also eine Beziehung
die wir vor uns sehen
eine, in deren Bann wir alle stehen
eine Beziehung der Gegenpole
wie das Dorf zur Metropole
eine, die uns daran erinnert
dass obwohl sich stetig alles verschlimmert
wir doch nicht verzweifeln sollen an der andren Seite
denn ohne sie ist klar, dass uns alles entgleitet.

Und so ehre ich das auf!stehen noch mal
und das Post und das Neo
spülen wir in den Kanal.
Und beende das Gesagte
indem ich wende das Beklagte:

Agieren statt reagieren
Suchen statt Buchen
Hinsehen statt weg gehen
Frei sein statt nur dabei sein.