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VI. Tagung für praktische Philosophie


VI. TAGUNG FÜR PRAKTISCHE PHILOSOPHIE


UNIVERSITÄT SALZBURG, 27. & 28. SEPTEMBER 2018

Titel meines Vortrags: 

„Resonantes Verstehen“ als Ansatz für die philosophische Praxis

Abstract

Gerd Achenbach, zentrale Figur der Etablierung der philosophischen Praxis im deutschsprachigen Raum, bezeichnet den Verstehensprozess als die zentrale Aufgabe der philosophischen Praxis. Das Ziel des Verstehens kann aber nur erreicht werden, wenn der/die Praktiker*in dazu in der Lage ist, von seinem/ihrem Bedeutungshorizont Abstand zu nehmen und sich über eine wissensbasierte Rationalität hinaus einem ganzheitlichen Verstehensprozess zu öffnen. Manche philosophische Praktiker*innen lassen sich allerdings aufgrund dieses Anspruches dazu verleiten, das Gegenüber zu statisch in seinem Sein als gegeben anzunehmen. Als verfüge der andere über ein Geheimnis, das in eine stabile und konkrete Identität eingelassen ist, und das es zu entschlüsseln gilt. 

Verstehen heißt aber, u.a. bei Gadamer, immer schon Interpretation. Interpretation ist aber ein Prozess, der zum Interpretierten etwas hinzufügt. Jede Interpretation bringt also gleichzeitig Bewegung ins Spiel. Eine endgültige oder „richtige“ Interpretation kann es daher nie geben.

In diesem Vortrag werden daher zwei Konzepte zusammengebracht und als eine Möglichkeit vorgestellt, philosophische Praxis und philosophische Gesprächsführung zu verstehen: der „dritte Raum“ bei Homi K. Bhabha und der Resonanzbegriff von Hartmut Rosa. „Verstehen“ wird mit dem „dritten Raum“ Bhabhas, als ein Prozess der Begegnung und der Hybridisierung von Bedeutungen, gelesen. Bhabha entwirft den Begriff in Bezug auf kulturelle Identitäten, die nicht statisch, sondern als sich in einem offenen Raum der Begegnung und der Hybridisierung konstituierend. Um sich nun einem dementsprechend Verständnis öffnen zu können, muss die Vorstellung einer Trennung von Subjekten und/oder einer zwischen Subjekt und Objekt fallen gelassen werden. Gelingt die Überwindung dieser Spaltung, tritt ein Phänomen auf, das Hartmut Rosa aus soziologischer (und philosophischer) Perspektive „Resonanz“ nennt: ein gemeinsames Schwingen, ein gegenseitiges Entzünden von Ideen und vieles mehr. 

In der philosophischen Praxis werden solche Momente der Resonanz ganz klar erlebt. Wenn das Gespräch gelingt, entsteht ein „dritter Raum“, ein Raum des Verstehens, der ein, wie Rosa es nennt, „anverwandeln“ von neuen Perspektive und Ideen überhaupt erst möglich macht.

Im Vortrag werden daher die beiden Konzepte, ihre mögliche Verbindung und ihre Produktivität für die philosophische Praxis vorgestellt und anschließend zur Diskussion gestellt.

Spätere Veranstaltung: 29. September
Aufbaumodul Philosophieren mit Kindern I